Wer ist das nicht: Krimifan?!

Ich bin voll im Trend der Zeit: ich liebe Krimis!
Sonntagabend, der Tatort, ist Pflicht.
Das Bücherregal ist voll: Lin Anderson, Russel Craig, Alex Gray….. Mark Douglas-Home, Elly Giffith, Denise Mina, Helen Fields u.v.a.m.
Ich liebe es, in die gruselig-spannende Welt eines guten Krimis abzutauchen und tauche getröstet wieder daraus auf: die Banalität einerseits und die Herausforderungen meines Alltags andrerseits sind plötzlich viel besser zu ertragen, denn soooo schlimm wie in dem gerade gelesenen Szenario des Krimis ist mein Leben nicht. Was geht es mir gut!
Gute Krimis und Theologie haben ja durchaus etwas Gemeinsames: in beiden geht es um Gut und Böse, um Schuld und Vergebung, um Opfer-Täter-Beziehungen und um die Hoffnung, dass am Ende das Gute siegt.
Wie eng Theologie und Kriminalroman miteinander verwoben sein kann, lässt sich ablesen an Leben und Werk der britischen Pfarrerstochter und Kriminalschriftstellerin Dorothy L. Sayers und ihrem Detektiv Lord Peter Wimsey.
Nicht umsonst war Karl Barth, einer der berühmten Theologen des 20. Jahrhunderts mit ihr brieffreundschaftlich verbunden und las ihre Bücher gern. (Ich auch).
Doch es ist auch bedenklich: den Tod und einen toten Menschen kennen viele nur noch aus dem Krimi! Dem ständig wachsenden möglichen Lebensalter ist es zu verdanken, dass wir nicht mehr mit dem Tod ins Leben hineinwachsen. Oft sind die Kinder von Verstorbenen selbst schon 60 Jahre alt. Und sehen zum ersten Mal im Leben eine Leiche. Bzw. stehen vor der Frage, ob sie von der gestorbenen Mutter/dem gestorbenen Vater noch mal Abschied nehmen wollen. Aus Fremdheit und Angst wird dann verneint. Doch so wie die Leiche im Krimi wird Mutter/Vater nicht aussehen. Doch was über Jahrzehnte nicht eingeübt wurde, ist so fremd geworden, dass es Angst macht. Dabei gehört beides zum Leben dazu: Schauer und Grusel angesichts des Todes einerseits, anteilnehmender Schmerz und liebevolle Trauer andrerseits.
Früher, als die einfachen Menschen noch nicht lesen und schreiben konnten, wurde der Grusel öffentlich inszeniert: Hinrichtungen waren ein großes, schauriges Schauspiel. Zuhause der Tod eine lieben Angehörigen war und ist etwas anderes. Diese Balance gilt es auszuhalten.

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