Trauerkultur im öffentlichen Raum II

Das ganze Land trauert! „Wir“, das ist die Herren-Fußballnationalmannschaft des DFB, sind nicht mehr dabei. Rausgeflogen in der Vorrunde, als Gruppenletzter! Zur Trauer gesellen sich Wut und Scham und Enttäuschung und ganz viel gute Ratschläge!
Millionen von Fußballfans wissen es besser: Die Aufstellung war falsch…..statt X hätte lieber Y spielen sollen…..die Spieler sind alle zu satt, zu verwöhnt von zu viel Ruhm und Geld….der Trainer ist ausgelaugt…..er hat die Zeichen der Zeit nicht richtig erkannt…..er soll zurücktreten….er soll bleiben….
Hitzig ist die Debatte, alle suchen nach Schuldigen, nach einer Erklärung. Damit die Schmach auszuhalten ist.
Ich bin verblüfft: 2 Mannschaften gehören unabdingbar zu diesem Spiel dazu: eine wird gewinnen, die andere verlieren.
So sind die Spielregeln.
Mal ist das eine Land dran, mal das andere.
Der Gewinner braucht den Verlierer und umgekehrt.
Das ist kein alternativer Fakt, sondern Wahrheit (von einem „unentschieden“ mal abgesehen).
Und beides muss man können: verlieren und gewinnen!
Und doch ist es sooooo schwer zu verlieren!
Spielerisch wiederholt sich für mich hier etwas, was zur existentiellen Wahrheit unseres Lebens dazugehört!
Unser Leben ist endlich. Irgendwann werden wir es verlieren.
Das weiß Jede und Jeder. Der Tod gehört zum Leben dazu, wie der Verlierer zum Fußballspiel. In einer Traueranzeige lese ich: „A.B. hat das Duell verloren und ist friedlich eingeschlafen.“ Nun ja „eingeschlafen“ ist er nicht, sondern verstorben. Aber was mag er für „Duelle“  ausgefochten haben? Schach? Ne, das sind Partien. Fußball? Oder fechten? Die Zeit der Pistolen-Duelle ist doch vorbei! Oder hat er sein ganzes Dasein als Duell, als Kampf erlebt? Diese Vorstellung ist mir gruselig. Für mich ist das Leben ein Geschenk!

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