Predigt V: Vom Weltuntergang als Welt-AUF-Gang

Wahrscheinlich ist auch Ihnen folgender Satz schon mal über die Lippen gekommen: „Davon geht doch die Welt nicht unter!“
Da ist jemandem eine Tasse runtergefallen….da hat sich jemand in den Finger geschnitten….da ist etwas nicht so gelaufen, wie man es sich gewünscht hatte…“Davon geht doch die Welt nicht unter“- sagen wir dann; oder auch: „Halb so wild!““Mach dir nichts draus!“….. „Das wird schon wieder!“ „Ist doch kein Beinbruch!“ Offenbar liegen Beinbruch und Weltuntergang dicht beieinander.

Aber wenn davon die Welt nicht untergeht, wovon geht sie dann unter? Die Astronomen sagen uns, dass in ein paar Milliarden Jahren die Sonne kollabiert – erst ein „roter Riese“, dann ein „weißer Zwerg“. Und Schluss.
Oder: die Erdrotation wird jeden Tag ein klitzekleines bisschen langsamer und eines sehr fernen Tages bleibt sie stehen. Schlechte Aussichten.
Manchmal machen mir solche Prognosen ein mulmiges Gefühl. Aber meist, sind sie zu weit weg für meine Auffassungsgabe und näherliegende Weltuntergangs-Szenarien beschäftigen mich: Klimakatastrophe, Lagerung von Atommüll, Treibhauseffekt, Artensterben, Verknappung von Rohstoffen, Krieg in Syrien und Irak, Spannungen zwischen Israel und Palästina, oder auch zwischen Westeuropa und Russland.
Manch einem sitzen diese Dinge total im Nacken, andere blenden das genauso total aus.
Die Pessimisten resignieren (wenn da nur nicht einer mal auf den falschen Knopf drückt), die Optimisten machen weiter wie gehabt.
Und andere dazwischen versuchen was zu ändern und Pflanzen ein Apfelbäumchen, (wie wir vor 14 Tagen in Graal-Müritz).
Aber dann gibt es ja auch noch den ganz persönlichen Weltuntergang: dann nämlich, wenn auf einmal nichts mehr so ist, wie es vorher war.
Wenn das, was bis dahin mein Lebens-Haus war, sich plötzlich wie ein Trümmerberg vor mir aufhäuft.
Oder schlimmer noch: ich liege unter diesem Trümmerhaufen:
Der Beziehungs-Crash. Die gefürchtete Diagnose. Die Kündigung. Der plötzliche Todesfall in der Familie.
Für manch einen reicht für den persönlichen Weltuntergang die Pensionierung…der Börsen-Crash…das kränkende Wort.
Doch auf uns alle wartet der zugespitzte, persönlichste Weltuntergang überhaupt: unser eigener Tod. Manch einer kann auch das gut ignorieren, verdrängen , ausblenden.
Und doch geistert dieser Weltuntergang hintergründig immer in unseren Leben herum, oder er schwankt über uns wie ein Damoklesschwert.
Da helfen auch keine Versicherungen und keine Vorsichtsmaßnahmen. Auch die Bibel kennt diese persönlichen Weltuntergangskatastrophen, denken Sie an Sodom und Gomorra oder die Sintflut…
Dabei ist vom Welt-Untergang im Alten Testament selten die Rede, im Neuen dafür umso mehr! Allerdings gibt es einen krassen Unterschied zu unseren Vorstellungen heute: im Neuen Testament ist es am Ende immer ein Welt-AUF-Gang, der uns erwartet!
Keine Katastrophe, sondern ein „neuer Himmel und eine neuer Erde!“ Und nicht der Tod hat das letzte Wort, sondern ein neues Leben im Reich Gottes, in dem er alle Tränen abwischen wird!
Das gute Ende am Schluss wird im Neuen Testament mit der Wiederkunft Christi in Verbindung gebracht. Darum ist es bei den meisten Christen heute erstaunlich still geworden: Christi Wiederkunft! -wer rechnet schon damit?! Aber diese Wiederkunft Christi machte auch schon im Neuen Testament Probleme. Sie kam nämlich nicht. Dabei war die Sehnsucht danach riesengroß!
Die jungen Gemeinden wurden verfolgt, mit Folter und Todesstrafe bedroht, es war nicht leicht am christlichen Glauben festzuhalten, aber Christi Wiederkunft stand ja bevor und dann würde offenbar werden, wer die Welt in den Händen hält!!! Das gab Trost in der Anfechtung.

Auch schon Paulus muss in seinen Briefen trösten und Antwort geben auf die Frage, was ist denn mit den Gemeindegliedern, die vor Christi Wiederkunft sterben? Und Paulus tröstet: keine Bange, auch die sind dann mit dabei und kommen in Gottes neues Reich, sie haben keinen Nachteil.
Auch der Petrusbrief strickt an diesem Trost weiter. Inzwischen ist noch mehr Zeit vergangen. Von den Zeitzeugen von Jesu Tod und Auferstehung lebt keiner mehr. Auch die Generation des Paulus ist lange tot. Wir schreiben so ungefähr das Jahr 125. (der Petrusbrief ist der jüngste im NT).
Und der Petrusbrief macht klar: tausend Jahre sind vor Gott wie ein Tag…(an anderer Stelle in der Bibel wird sogar vom Wimpernschlag Gottes gesprochen: wie kurz ist das denn!) Gott rechnet nicht in der Zeit, sondern in Ewigkeit. Das verschiebt unsere Perspektive und wir müssen Geduld haben/lernen. Gleichzeitig gilt aber auch das Überraschungsmoment: „Er wird wiederkommen, wie ein Dieb in der Nacht!“

Da gibt’s nur eins wachsam sein. Nicht Sicherheit ist das angemessenen Lebensgefühl, sondern Vorläufigkeit. Sich nicht einrichten in dieser Welt, als ob auch Morgen noch Bestand hätte, was Heute noch gilt. „Panta rei“ sagen die Philosophen, alles fließt, nichts ist von Dauer.
Veränderungen annehmen, auch wenn sie weh tun und lernen durch sie hindurch zu blicken und zu vertrauen: meine Lebensuntergänge sind immer auch AUF-Gänge, denn: „Gott hat uns einen neuen Himmel und eine neue Erde versprochen. Dort wird es kein Unrecht mehr geben, weil Gottes Wille regiert. Auf diese neue Welt warten wir.“
Seit damals sind nun knapp 2000 Jahre vergangen und wir warten immer noch. Oder haben wir vor lauter Weltuntergang, der aus der Tagesschau zu uns dringt den Aufgang von Gottes neuer Welt völlig aus dem Blick verloren? Spüre ich noch etwas von dieser Hoffnung, von diesem Trost in den Einschlägen in meinem persönlichen Leben? Kann ich das noch glauben, dass Gott alles gut machen wird? Schwierige Fragen.
Schließlich kann man sich einen hoffnungsfrohen Glauben nicht „machen“, schon gar nicht, wenn’s bei einem „brennt“.

Der Gedanke, dass Christi Wiederkunft vor der Tür steht ist uns fremd geworden. Wir vermuten ihn nur noch in Sekten, die ihn dann auch noch mit Jahreszahl berechnen und immer wieder ihre Rechnung korrigieren müssen. Darüber kann man schmunzeln und den Kopf schütteln, aber dann gleich gar nicht mehr mit Gott, mit Christi Wiederkunft, mit dem Einbrechen des Heiligen in meinem Leben zu rechnen, scheint mir das sprichwörtlich mit dem Bade ausgeschüttete Kind zu sein.
Denn jede und jeder von uns wird ihren/seinen Jüngsten Tag = die Begegnung mit Jesus Christus unserem auferstandenen Erlöser, erleben:
am Tag unseres eigenen Todes. Dieser Tag könnte noch lange hin sein, aber er könnte auch plötzlich an der Tür kratzen wie der nächtliche Dieb.
Lassen Sie mich ein Bild verwenden, dass in unserer mobilen Auto-gewohnten Zeit vielleicht deutlicher ist, als manch altes biblische Bild:
Jedes Geschöpf, auch Sie und ich, bewegt sich auf der Autobahn der Zeit vorwärts. Und jedes Geschöpf hat eine andere Ausfahrt, wo die Reise endet.
Aber so unterschiedlich die Ausfahrten auch sind: alle Geschöpfe kommen am selben Ort an: am Jüngsten Tag. Christi Wiederkunft. In diesem Licht darf ich mein Leben als Wegstrecke sehen. Und die Bibel lehrt mich: das Ende liegt in Gottes Hand. Und Gott macht es gut, dieses Ziel!
Und meine Wegstrecke bis dahin ist Ausdruck von Gottes Geduld mit mir.
Zeit ist Gnade! Meine Zeit steht in seinen Händen!
Und diese Zwischenzeit darf ich aus seinen Händen in meine Hände nehmen und gestalten und füllen und verwirklichen, was ich verwirklichen möchte…ohne zu vergessen: es ist nur eine Zwischenzeit, nur ein Tropfen in Gottes Meer der Ewigkeit. Der 2.Petrusbrief lädt uns ein durch alle persönlichen Weltuntergangsszenarien hindurch auf den „neuen Himmel und die neue Erde“ zu blicken.
Gottes Versprechen will, dass wir uns nicht lähmen lassen, von welchen Trümmerhaufen des Lebens auch immer. Gottes Versprechen eines neuen Himmels und einer neuen Erde will uns nicht ins Erstarren führen, sondern will uns locken und Kraft geben für den Wandel, die Veränderung, den Neuanfang. Den Welt-AUF-Gang jetzt und hier und gleich…..und später in Gottes ewigem Reich. Amen

Predigt Ewigkeitssonntag 2014
2. Petrus 3, 3-13

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