Einmal Jenseits und zurück – ein Koffer für die letzte Reise II

Die Nacht der Kirchen ist lange vorüber, aber immer noch sind meine Gedanken angeregt durch die unterschiedlich gepackten Koffer.
Mir fällt auf: entweder sind die Koffer sehr leer oder sehr voll!!
„Nur“ ein Foto….eine Zeitung….ein Wort: Hoffnung.
Oder eben unbändige Fülle: ein Kuscheltier, eine Flasche Perfum, 3 Cd’s, ein Buch, eine Flasche Whisky, etwas zu Naschen, Fotos……alles in einem Koffer!
Das erinnert mich an mein Kofferpacken, so wie es im Alltag vorkommt.
„Was pack ich ein?“ diese Frage kennen wir wohl alle von unseren Urlaubsvorbereitungen und oft genug stellt sich in den Wochen fern von daheim die Erkenntnis ein, zu viel oder das Falsche eingepackt zu haben! Jedenfalls bei mir ist das so.
Genauso sind wir auch durchs Leben unterwegs und dazu eignet sich das Bild von einer „Reise“ ganz vorzüglich! Haben wir für unsere Reise durchs Leben richtig gepackt?
Silbermond singt davon,
wochenlang war das Lied in den Charts und hat junge Leute zum Nachdenken eingeladen:
„Eines Tages fällt dir auf, dass du 99% nicht brauchst.
Du nimmst all den Ballast und schmeißt ihn weg, denn es reist sich besser mit leichtem Gepäck.
Du siehst dich um in deiner Wohnung, siehst ´n Kabinett aus Sinnlosigkeiten, siehst Das Ergebnis von Kaufen und Kaufen von Dingen; Von denen man denkt man würde sie irgendwann brauchen: Du siehst so viel Klamotten die du nie getragen hast und die du nie tragen wirst und trotzdem bleiben sie bei dir.
Zu viel Spinnweben und zu viel Kram, zu viel Altlast in Tupperwaren.
Und eines Tages fällt dir auf, dass du 99% davon nicht brauchst. Du nimmst all den Ballast und schmeißt ihn weg, denn es reist sich besser mit leichtem Gepäck, mit leichtem Gepäck“
Und zum Schluss des Liedes geht es darum, nur noch die wichtigen Dinge einzupacken.
Aber was ist mir denn in meinem Leben wirklich wichtig?
Mit der Frage bin ich wieder bei unserer Kofferpackaktion.
Und das ist ja das Überraschende: beim Nachdenken über die eigene Sterblichkeit steht das Leben auf dem Spiel!
Wenn ich schon sterben muss: wie will ich die kostbare Zeit, die mir geschenkt ist, denn füllen??
Verplempern und vertun will sie wohl Niemand – obwohl es manchmal passiert, dass ich Zeit vertue mit nutzlosem Kram.
Dass das Leben nur aus Alltagstrott und Routine besteht und ich zwar funktioniere, aber eigentlich innerlich ganz leer bin.
Oft ist es dann eine Krise, manchmal eine Krankheit, die mich aufrüttelt neu über mein Leben nachzudenken:
– Wo will ich hin?
– Was ist jetzt dran?
– Was muss ich vielleicht ändern?
– Wo bekomme ich Hilfe?
Vielleicht muss der eine Koffer ausgepackt und ein anderer neu gepackt werden, damit meine Lebensreise erfüllend weitergehen kann.
„Reise“ das ist ein uraltes mythologisches Bild für menschliches Leben, für menschliches Unterwegssein.
Denken Sie an die Reisen des Odysseus…..an die Wanderung der Israeliten durch die Wüste, unterwegs zu den Land, wo Milch und Honig fließen.

Wo führt sie hin meine Lebensreise…..wann hat sie begonnnen?
Eigentlich mit einem Wunder!
Mit einem klitzekleinen Moment, wo ein Spermium schnell genug war und alle anderen überholt hat
(fast auch ein Reise-Bild!!) und eingedrungen ist in eine winzige Eizelle!
Wumm….der jeweils eigene, ganz persönliche Urknall!
Und dann beginnt die Reise ins Ungewisse: zuerst die Zellteilungen?…werden wir Mädchen oder Junge?….
Erben wir die Haarfarbe von Vater oder Mutter…. Nichts ist gewiss….alles im Werden!
Und die Zeit im Mutterleib ist eigentlich auch eine Kofferpack-Aktion: denn wir werden ausgestattet, mit allem, was wir zum Leben brauchen:
– Augen, um zu sehen und gesehen zu werden
– Hände, um zu tasten und zu begreifen und um ertastet und
gestreichelt zu werden
– Ohren, um zu hören und gehört zu werden
– Ein Herz, um zu lieben und geliebt zu werden
– Eine Nase, um zu riechen und gerochen zu werden
– Haut, um zu spüren und gespürt zu werden
Der Lebenskoffer, ist prallgefüllt mit Gutem, mit Gottes Segen….
Und noch immer wissen wir nicht, wohin die Reise geht…
Immer geht sie ins Ungewisse….der nächste Tag: unbekannt….der nächste Moment: ungewiss….
Wir wissen nicht, was kommt.
Wir wissen nicht, dass uns eine Geburt bevorsteht und werden hinein geboren in die totale Ungewissheit….
……Und doch sind wir gut ausgestattet für das, was kommt: Leben im Ungewissen!

Eltern müssen ihr Kind nach der Geburt erst kennen lernen und ein Säugling seine Eltern auch!
Alles ist ungewiss: die Beziehung muss erst Gestalt finden!
Das Zueinandergehören empfunden werden und dieses Verbundenheitsgefühl muss wachsen.
Nichts ist selbstverständlich immer schon da!
Alles muss werden, denn wir sind unterwegs in ein Morgen, das wir nicht kennen.
Das gilt nicht erst auf der Schwelle um Tod.
Sondern eigentlich immer.
Dazu gibt es eine nette kleine Geschichte: 2 Grabsteine unterhalten sich. Sagt der eine: „Du, eigentlich sind wir gar keine Grabsteine“ „Aha“ und der Andere fragt, „was sind wir denn?“ „Wir sind Meilensteine auf der Reise ins Ungewisse“!

Kommentare zum Beitrag

Marina Schmidt
am 22. Februar 2019 um 10:14 Uhr

Liebe Frau Erler,
dieser Beitrag, wie auch all die anderen in Ihrem Blog berühren mich sehr. Ich finde es klasse was sie machen und wie sie es machen.
vielen Dank dafür!
Herzliche Grüße
Marina Schmidt
ambulanter Hospizdienst Winterhude und ambulanter Hospizdienst im Hamburger Osten

Kommentieren Sie

Name:
E-Mail (wird nicht veröffentlicht):
Kommentar: